Beobachter bringen eine Reihe von Erklärungen vor, von denen zwei besonders prominent sind. Erstens sind die französischen Gewerkschaften hinsichtlich der Mitgliedschaft schwach, aber die gewerkschaftsnahe Mitgliedschaft ist oft eng mit dem Gewerkschaftsengagement verbunden. Andernorts ist fast jedes fünfte französische Gewerkschaftsmitglied ein aktiver Arbeitnehmervertreter. Zweitens werden praktisch alle Tarifverträge auf den gesamten Sektor ausgedehnt, was zu einer sehr hohen Deckungsquote von über 90 % führt, und dies lädt die Arbeitnehmer zum “Free Ride” ein, wobei die von den Gewerkschaften ausgehandelten Vorteile in Anspruch genommen werden, ohne sich zur Gewerkschaftsmitgliedschaft verpflichten zu müssen. Gemäß Artikel L2522 des französischen Arbeitsgesetzbuches können alle arbeitsbedingten kollektiven Konflikte einer Schlichtung unterzogen werden. Daher gibt es ein Netz regionaler Vermittlungskommissionen und eine nationale Vermittlungskommission. Diese dreiseitigen Instanzen können im Falle eines kollektiven Konflikts in Anspruch genommen werden. Ihre Zusammensetzung wird in der Regel durch sektorale Vereinbarungen bestimmt. Diese Stellen oder die Behörden können auch eine Mediation einleiten, um die Ansichten einzugrenzen (Art. L2523-1).

Carlier, A. and Naboulet, A. (2009), Négociations collectives et gréves dans les entreprises du secteur marchand en 2007 , Premiéres Synth`ses Information No. 18.2, Direction de l`Animation de la Recherche, des études et des Statistiques (DARES), Paris. In Frankreich werden die Arbeitnehmer durch Gewerkschaften und Strukturen vertreten, die von allen Arbeitnehmern direkt gewählt werden. Die Vertretung der Arbeitnehmer ist seit 1945 an allen Arbeitsplätzen mit mehr als 11 oder 50 Beschäftigten, je nach Struktur, obligatorisch. Diese Organe sind weitgehend gesetzlich geregelt. Dennoch gibt es Raum für Regulierung durch Tarifverhandlungen, da die Sozialpartner durch Tarifvertrag Informations- und Konsultationsgremien schaffen können, um die Unterrichtung und Anhörung im Unternehmen zu verbessern. Sie können Verbesserungen in den Einrichtungen für Arbeitnehmervertreter aushandeln, z. B. mehr bezahlte Freizeit oder mehr Ressourcen.

Seit der Arbeitsreform von 2017 hat sich die Landschaft der Arbeitnehmervertretung am Arbeitsplatz erheblich verändert. Dies ist auf die Zusammenlegung der drei wichtigsten Informations- und Anhörungsgremien der Arbeitnehmer zurückzuführen: die Personalvertreter (délégués du personnel); Betriebsrat (comité d`entreprise); und dem Ausschuss für Gesundheit, Sicherheit und Arbeitsbedingungen (CHSCT) in einem Sozial- und Wirtschaftsausschuss (SEC). Die CSE muss in allen betroffenen Unternehmen bis spätestens 1. Januar 2020 umgesetzt werden. Bei der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs nach dem Konsultationsverfahren ist die Regierung nicht verpflichtet, den Inhalt eines Tarifvertrags in seiner bisher abgeschlossenen Fassung anzunehmen. Je nach Thema muss sie jedoch den Gesetzentwurf einreichen: Jede geleistete Arbeitsstunde über den gesetzlich festgelegten 35 Stunden zählt als Überstunden.